ÖBB-Pläne: "Werden uns massiv dagegen wehren!"

Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Laut einer Studie wird die unterirdische Trassenführung im unteren Rheintal unwahrscheinlich. Die betroffenen Bürgermeister, allen voran Michael Ritsch aus Bregenz, laufen Sturm.

Die von VOL.AT zuerst veröffentlichten Pläne einer Vorabstudie der ÖBB, welche sich gegen eine unterirdische Trassenführung zwischen Wolfurt und Lochau aussprechen, sorgen für Schlagzeilen. Allen voran zeigen sich die betroffenen Ortsvorsteher aus Bregenz, Hard, Lochau, Hörbranz, Wolfurt und Lauterach überrascht über die Inhalte. Und kündigen Widerstand an, wenn sich die durchgesickerten Erkenntnisse und Expertisen bewahrheiten. VOL.AT sprach mit den erwähnten Bürgermeistern.

Michael Ritsch, Bregenz:

"Wenn das stimmt, was hier an die Öffentlichkeit kommt, hat die ÖBB und das Land mit massivem Widerstand zu rechnen. Dem größten, mit dem sie jemals konfrontiert war. Und das nicht nur von uns Bürgermeistern, sondern auch von der Bevölkerung. Denn wenn hier offensichtlich versucht wird, den Menschen etwas aufzuzwingen, werden wir uns mit allen Mitteln massiv dagegen wehren. Wir werden uns ganz sicher nicht unseren Lebensraum wegnehmen lassen!"

Frank Matt, Lochau:

"Die Gemeinden haben eine Arbeitsgruppe, der der Lauteracher Bürgermeister Rhomberg vorsteht. Er wird dementsprechend Auskunft geben. Mir ist dazu noch nichts bekannt. Für uns Lochauer ist es nicht vorstellbar, dass es von Bregenz nach Lochau-Hörbranz zweigleisig gehen wird. Da sind sich die Gemeinden alle einig. Es ist ein No-Go."

Christian Natter, Wolfurt:

"Natürlich sind wir als betroffene Gemeinde bemüht, die bestmögliche Lösung für uns alle zu finden. Und wenn eine Unterflurlösung nach sorgfältiger Prüfung mach- und finanzierbar ist, würden wir uns selbstverständlich für die beste Variante entscheiden."

Elmar Rhomberg, Lauterach:

"Mir liegt dieses Papier bis dato nicht vor. Ich habe mich deswegen mit Bürgermeister-Kollegen Ritsch darüber unterhalten. Wir sind schon überrascht. Für Montag ist ja ein gemeinsamer Termin mit dem Land und der ÖBB geplant. Dass jetzt ein Papier da ist, wo das drinsteht, überrascht uns sehr. Wir können nur bewerten, was drinsteht. Für uns ist es ein No-Go. Und es wird massive Probleme in der Umsetzung mit sich bringen. Etwa verändern die Lärmschutzwände das Landschaftsbild. Eine Eisenbahnbrücke über drei Gleise, das kann ein Bürgermeister nicht gutheißen.

Ich gehe grundsätzlich positiv in das Gespräch am Montag. Schade, dass die Papiere so da sind. Dass man ein drittes Gleis zwischen Bregenz und Wolfurt bauen möchte, würde uns sehr verwundern. Wir sind sehr für den Bahnausbau und haben uns auch intensiv beim Ausbau der Bahninfrastruktur eingebracht. Ein Gleis zu bauen, das geht nicht.

Grundsätzlich sind wir sehr interessiert daran, mit dem Land eine Sprache zu sprechen. Wenn das aber die Conclusio ist, wird es in dieser Form mit den Gemeinden nicht gehen. Mit Parteipolitik hat das nichts zu tun. Alle Fraktionen in meiner Gemeinde sehen das so wie ich als Bürgermeister."

Andreas Kresser, Hörbranz:

"Wir haben die Unterflurlösung angesucht, als Bürgermeister, da die Chance für die Zukunft ist. Ich habe gelesen, dass es geleakt wurde und an die Öffentlichkeit kam, bevor wir die Informationen hatten. Sie werden verstehen, dass ich erst die Gesamtstudie sehen will, bevor ich etwas sage. Die zwei- und dreigleisige Variante sehe ich höchst kritisch. Wie Landesrat Tittler gesagt hat, ein Schildbürgerstreich. Erst Pipeline-Ausbau, dann die Gleise, ich glaube nicht, dass es der Weisheit letzter Schluss ist. Wir, die Bürgermeister der betroffenen Kommunen, werden weiterhin zusammenarbeiten."

Martin Staudinger, Hard:

"Ich kenne die Studie so noch nicht. Die Präsentation des Zwischenberichtes erfolgt erst nächste Woche. Dazu sind alle Bürgermeister der betroffenen Gemeinden auch eingeladen. Dabei werden wir gemeinsam die weiteren Schritte dann besprechen."

Staudinger erwartet sich hierbei natürlich einen ergebnisoffenen Prozess, bei dem auch verschiedenen Varianten vorgestellt werden. Es sei wichtig, dass bei den Überlegungen zum zukünftigen Gleisausbau neben übergeordneten verkehrsthematischen Zielen auch technische Bewertungen berücksichtigt werden, betont der SPÖ-Verkehrssprecher. "Ich erwarte mir natürlich, dass die Stimmen der Bürgermeister in Hinblick auf die Auswirkungen auf den Lebensraum in den betroffenen Gemeinden Gehör finden", verdeutlicht Staudinger seine Erwartungshaltung für die anstehende Varianten-Präsentation.

Für Bregenz würde eine unterirdische Gleisführung sicher zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen, so die Meinung des SPÖ-Verkehrssprechers. Vor allem der Zugang vom Stadtzentrum zur Seepromenade würde durch den Wegfall der Bahnübergänge profitieren.

(VOL.AT)

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